Blickpunkt Medizin

ESPID 2013 - Infektionskrankheiten in der Pädiatrie

Aktiver Wissensaustausch rund um das Thema 
"Infektionskrankheiten in der Pädiatrie"

Die 31. Jahrestagung der European Society for Paediatric Infectious Diseases präsentierte sich bei strahlendem Sonnenschein in Mailand – mit bewährten Konzepten wie interaktiven Fall-Diskussionen, Meet the Professors oder ebenso hochkarätig besetzten Themen-Vorträgen und Poster-Rundgängen. Das Ziel: Das neueste aus der pädiatrischen Infektiologie einem breiten Auditorium zur Verfügung zu stellen und viel Raum für Diskussionen zu lassen.



Co-Infektionen bei CAP nicht unterschätzen

Die rumänische Arbeitsgruppe um Prof. Oana Falup-Pecurariu, Brasov, warnte davor, Co-Infektionen durch Bakterien und Viren bei einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) zu unterschätzen. Die CAP sei nach wie vor ein führender Grund für die Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern – und nicht nur dort. Eine schnelle Diagnose der Ursachen sei meist begrenzt durch inadäquate klinische, radiologische oder labortechnische Methoden. Der Haupterreger der CAP bei Kindern unter 5 Jahren ist Streptococcus pneumoniäe, respiratorische Viren wie das RSV (Respiratory Syncytial Virus) zählen zu den Leitkeimen. Doch auch Rhino- und Grippeviren spielen eine nicht unerhebliche Rolle. "In den vergangenen Jahren unterstrichen die vielfältigen Dokumentationen die wichtige Rolle der viral-bakteriell bedingten Co-Infektionen, ein Viertel bis ein Drittel aller CAP-Fälle entwickelten sich auf diesem Wege", so Falup-Pecurariu in Mailand. "Die Viren scheinen den Weg zu ebnen für Bakterien die dann die Atemwege besiedeln." Laut Studien sei der "Tag 4" der Zeitpunkt, an dem sich eine eher harmlose bakterielle Infektion in eine CAP wandle. Dies hätten die Analysen der unterschiedlichsten Entzündungsparameter sowie der Elektronen- und Fluoreszensmikroskopie deutlich gezeigt. RS- und Grippeviren können die Anhaftung von Staphylococcus P. an respiratorische Epithelzellen fördern. Die RT-PCR (Reverse Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) sei ein neueres diagnostisches Tool, das eine wesentlich schnellere und treffsicherere Analyse bei kindlicher CAP erlaube. Dies sei immens wichtig um eine Mono- von einer Co-Infektion zu unterscheiden und somit die entsprechende wirksame Therapie einzuleiten – denn jeder Tag zähle, so der Appell in Mailand.

Antigen-basierte Essays sind effektiv, schnell und kostengünstig

Auch Prof. Susanna Esposito aus Mailand sprach sich für die schnellstmögliche und vor allem treffsichere Diagnostik von respiratorschen Viren aus – um eine Ausbreitung möglichst zeitnah einzugrenzen, immungeschwächte Kinder zu schützen und auch unnütze Medikamentenverordnungen zu verhindern. Leider sähe die Diagnostik nicht wirklich rosig aus, so die Spezialistin. Serologische Methoden könnten nicht genutzt werden, da diese zwei Blutproben erforderlich machen würden. Zellkulturen seien zudem nicht nur zeitraubend, sondern auch teuer. Molekulare Essays wiederum könnten nur in speziell eingerichteten Labors durchgeführt werden. "Antigen-basierte Essays hingegen sind in sehr kurzer Zeit verfügbar, nicht teuer, selbst ambulant und in Notfällen sogar bei Patienten daheim durchführbar – und die seit einiger Zeit auf dem Markt befindlichen Test sind – durch Studien geprüft – alle gut." Somit könne sich der behandelnde Arzt getrost für einen kostengünstigen, wenig zeitraubenden und gut praktikablen Test entscheiden.

Probiotika – nützen sie wirklich, und wenn ja, wem?

Prof. Gian Vincenzo Zuccotti, Mailand, griff das heiss diskutierte Thema der Probiotika auf: Laut der weltweit akzeptierten FAO/WHO-Definition sind Probiotika lebende Organismen, die, in einer ausreichend hohen Dosis gegeben, "Gesundheitsvorteile" auf den Wirt übertragen. Aber genau dieses Konzept des "health benefits" sei die Schlüsselfrage in der stets heftig geführten Diskussion um Sinn oder Unsinn der Probiotika, so der Mailänder Spezialist. Mögliche Vorteile eines Probiotikaeinsatzes im Bereich der pädiatrischen Infektionen seien mittlerweile in kontrollierten randomisierten Studien (RTC) untersucht worden. "Es scheint beispielsweise moderate Effekte in der Prävention von gastroenteralen Infektionen bei gesunden Kleinkindern und Kindern zu geben, so Zuccotti. Die Supplementierung von Probiotika sei assoziiert mit einer reduzierten Inzidenz von Diarrhoe sowie einer kürzeren Krankheitsdauer der einzelnen Episoden. So zeige eine Metaanalyse zum Thema Rotavirus-Prävention dass die präventive Gabe von Lactobacillus GG bei einem von sieben Kindern eine RV-Gastroenteritis verhindern könne. Andere randomisierte Studien zeigen positive Daten auch im therapeutischen Bereich der akuten Diarrhoen: Die Supplementierung mit Lactobacillus GG früh, gleich zu Beginn einer akut infektiösen Diarrhöe, könne die Dauer der Episode um einen Tag verkürzen.
Daten im Bereich der respiratorischen Infektionen seinen derzeit wenig aussagekräftig, die Studien zu heterogen. "Selbst wenn auch hier ein gewisser Benefit vermutet wird, so kann noch keine evidenzbasierte Empfehlung für den Einsatz von Probiotika bei respiratorischen Infektionen ausgesprochen werden", fasste Principi die Datenlage zusammen. Viele Fragen seien noch zu klären: Wie lange sollen Probiotika eingenommen werden, welches ist die bestwirksame Spezies, wie hoch die optimale Dosis?

Quelle: Abstracts/ Vorträge anlässlich des ESPID 2013 in Mailand

Dieser Beitrag erschien in leicht veränderter Form in der Kinder- und Jugendmedizin Ausgabe  4/ 2013 (Schattauer-Verlag)

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